Geschrieben von:
Guenther Frank
FD Gesundheit
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Lieber Balthasar,
viele Jahre lang ist AZT das einzige Medikament gewesen, dass kausal (im Gegensatz zu symptombezogen) gegen HIV eingesetzt werden konnte. Es gab neben AZT bis 1996 nichts, was gegen HIV wirksam war. Das Problem bei der Monotherapie mit AZT war, dass die Wirkung gegen HIV auf 1-2 Jahre begrenzt war, dann hatten sich Resistenzen gebildet und AZT wurde wirkungslos, es kam zu AIDS und damit nach einiger Zeit zum Tod der Betroffenen.
Heute wird wegen der Problematik mit der raschen Resistenzentwicklung bei HIV der von Ihnen erwähnte Cocktail verabreicht. Das sind i. d. R. 3 verschiedene Medikamente, die HIV an 3 verschiedenen Punkten während seines Reproduktionszyklusses angreifen. Die Erfolge sind gut, es gibt weniger Probleme mit Resistenzbildung und eine Reihe von HIV-Positiven leben seit 1996 mit Hilfe der Medikamente, ohne bisher AIDS entwickelt zu haben. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass diese Personen ohne diese Medikamente zu einem großen Teil bereits an den Folgen von AIDS verstorben wären.
Allerdings wirken die Medikamente nicht bei allen Betroffenen und es gibt auch Todesfälle durch die starken Nebenwirkungen.
Da sind wir wieder bei AZT: Es wird heute oft nicht mehr verschrieben, da es besonders starke Nebenwirkungen hat. Wenn also genügend Medikamente aus der Wirkungsklasse von AZT vorhanden sind, gegen die noch keine Resistenzen gebildet wurden, wird AZT nicht eingesetzt oder anders: Es wird dann gegeben, wenn die anderen Medikamente, die HIV auf dieselbe Weise angreifen, nicht mehr so gut funktionieren.
Das war jetzt ein wenig sehr medizinisch-theoretisch. Ich werde Rückfragen natürlich gerne beantworten.
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Zuletzt geändert am 03.01.2005 um 10:12:20 von Guenther Frank.
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